Scheint die Sonne auch für Bademeister?
Thursday, September 3rd, 2009
Kleine Zeitungsmeldung, die schon eine ganze Weile in den Bookmarks herumliegt, und die ich auch endlich mal behandeln will. Das oben abgebildete T-Shirt der grandiosen Die Ärzte (Spezialgrammatik) ist “extremistisch”. So sieht es zumindest der Pächter des Strandbades Tegel. Die taz berichtet:
Eigentlich wollte sich Florian Schuster nur eine Portion Pommes holen. Am Montag stand er vor dem Imbiss im Strandbad Tegel und trug ein T-Shirt der Berliner Band Die Ärzte, auf dem eine Liedzeile abgedruckt ist: “Scheint die Sonne auch für Nazis? Wenns nach mir geht, tut sies nicht”. Pech für den 23-jährigen Studenten, dessen wahrer Name der Redaktion bekannt ist: Er wurde vom Geschäftsführer bedient, Dirk Michehl. Und dem gefiel das T-Shirt nicht. Schuster musste das Bad verlassen.
“Wir dulden hier keine extremistischen Äußerungen”, erklärte Michehl der taz. Er ist der Pächter des Strandbads Tegel, das den landeseigenen Berliner Bäderbetrieben gehört. Nachdem er das T-Shirt gesehen habe, habe er den Besucher vor die Wahl gestellt: ausziehen, umdrehen – oder gehen. Laut Schuster war der Geschäftsführer dabei ziemlich unfreundlich und aggressiv und bezeichnete ihn als “dumm”.
Michehl betont, er sorge sich um den Ruf seines Freibads. “Wir unterbinden alles, was ein schlechtes Licht auf uns werfen könnte.” Dazu gehöre auch der Anti-Nazi-Spruch: “Solche Tendenzen wollen wir in unserem Familienbad gar nicht aufkommen lassen. In Kreuzberg steht so ein Spruch an jeder zweiten Wand.” Michehl zieht einen gewagten Vergleich: Genauso wie er “Extremisten” vom Bad fernhalten wolle, möchte er auch keine Pädophilen als Gäste begrüßen – deswegen verbiete er, dass Kinder nackt herumliefen.
Mit diesen sehr verqueren Äußerungen dürfte sich der Pächter mit Anlauf selbst in den Hintern getreten haben. Denn das wirft tatsächlich ein so schlechtes Licht auf das Freibad Tegel, dass ich es mir selbst überlegen würde, ob ich hier Eintrittsgeld entrichten wollte.
Das Shirt gibt es übrigens bei Deutschrock.de



