Vom Verschwinden der Bandshirt-Holländer
Eines Tages/ Spiegel Online beschäftigt sich mit dem Verschwinden der illegal hergestellten Bandshirts, die vor Großkonzerten in Großmarkt-Mengen “für zehn Mack” verkauft wurden. Und jeder, der je auf einem Großevent war, wird sich grinsend an diese Wesen und ihre dreisten Plagiate erinnern (in meiner Erinnerung waren es allerdings nicht immer Holländer, sondern auch mal Türken, Albaner oder keine Ahnung was). Und ich gebe es zu, seinerzeit hatte ich auch so eines. Von Guns N’Roses, nach dem ersten Konzert meines Lebens im Münchener Olympiastadion. Das Shirt (ähnlich aussehend wie das abgebildete) zerfiel nach ein paar Monaten buchstäblich in der Waschmaschine.
Ein größtenteils netter Ansatz zu einem Artikel, zu dem ich allerdings Folgendes anzumerken habe:
Zugegeben: Kein anderes Kleidungsstück transportiert so schnell und sicher, was für ein Mensch da in der Hülle steckt. Aber will man das überhaupt wissen? Ich will nicht aufgrund der Musik beurteilt werden, die ich höre.
Genau darum geht es. Darum trägt man Bandshirts. Und die trägst du nur, wenn du überzeugt bist, gute Musik zu hören und dich mit deiner Band identifizierst.
Und da höre ich es, das Stampfen und Schnauben der Geldmaschine. Denn Bands und Managements haben die Merchandising-Daumenschrauben in den vergangenen zehn Jahren kräftig angezogen. Im selben Zeitraum sind ja auch Konzertkarten wahnsinnig teuer geworden. Sie haben die Holländer zusammen mit ihren Shirts für “Ten Marks” vor den Konzerthallen vertrieben, damit wir drinnen die Shirts für “Sixty Euros” kaufen.(…) Es gibt also keinen Grund mehr, überhaupt eines der völlig überteuerten Band-Shirts zu kaufen, jetzt wo es keine Holländer mehr gibt.
Messerscharf kombiniert, Schlaukopf. Das Geld ist es mal wieder. Und vielleicht sollte man deshalb auch Bandshirts erst recht kaufen, nachdem es schon nicht mehr üblich ist, für die Alben der Künstler Geld auszugeben. Das Live- und Merch-Geschäft ist, wie man vielleicht mittlerweile wissen könnte, zur Haupteinnahmequelle einer Band geworden. Es kann nämlich nicht angehen, dass Kleinkriminelle mit unlizensierten, schlecht gemachten Shirts mehr Schotter machen als deine Lieblingsband, von der du weiterhin Musik- und Konzerterlebnisse geboten bekommen möchtest.
Gute Musik wird auf T-Shirts ohnehin selten gewürdigt. Ich habe noch nie ein Mother-Tongue-T-Shirt, gesehen und Lee Hazlewood oder Tom Morello auf Baumwolle ist mir auch noch nicht begegnet. Dafür wird man mit Müll wie NoFX oder anderem Kram belästigt.
Ich habe schon massenhaft Mother Tongue-Shirtträger gesehen. Wo sie die wohl herhaben? Von Mother Tongue-Konzerten vielleicht? Da warst du wahrscheinlich nicht, weil die Schweine wollen ja so viel Geld. Tom Morello dürfte dank seiner Band Rage Against The Machine schon T-Shirt-Millionär geworden sein, in den 90ern gab es wohl keine Gymnasialklasse, in der nicht mindestens ein RATM-Shirt getragen wurde. Und, lieber Phillip Kohlhöfer, NoFX als Müll zu bezeichnen ist noch pubertärer als NoFX selbst; deine Ausführungen zu Tocotronic unterbieten dann alles. Sag ich als einer, der Tocotronic auch nicht mag.
Letztendlich hat man das halt davon, wenn man Nicht-Journalisten Texte veröffentlichen lässt.
Categories: Musik, Nachrichten, Sonstiges, T-Shirts




Im Interview: I love Waterloo. « Shirtspotting - der T-Shirt-Blog
[...] von mir:) Genau das ist es, was Waterloo meiner Meinung nach von schlichten Lizenzhändlern oder Bandshirt-Holländern unterscheidet. Die Liebe zum Objekt ist unübersehbar und viel mehr ein Tribut als ein [...]